TENSIDE
Jedes Shampoo und jedes Reinigungsprodukt enthält sogenannte Tenside, ohne diese Stoffe würden unsere Haare und auch die Kopfhaut nicht sauber werden.. Allerdings sind nicht alle Tenside gleich in ihrer Wirkung, und jeder der schonmal juckende Kopfhaut, Schuppen, ausgetrocknete Haare oder staubtrockene Spitzen hatte, wird warscheinlich nicht sofort die im Shampoo enthaltenen Tenside dafür verantwortlich machen, aber genau da liegt häufig das Problem.
Die Natur hat eigentlich vorgesehen das unsere Kopfhaut durch die Talgprodukltion selbstständig eine Schutzschicht für Haar & Kopfhaut produziert, die es elastisch und geschmeidig hält, nur möchte natürlich niemand mit fettigen (aber gesunden ;-)) Haaren herumlaufen in der heutigen Zeit, und deshalb werden heute Haare viel öfter gewaschen als notwendig. Wenn dann auch noch ein scharfes Tensid zum Einsatz kommt, sind für viele die Probleme vorprogrammiert.
Je öfter man wäscht, desto milder sollte auch das im Shampoo enthaltene Tensid sein. In früheren Zeiten wurden Haare statt sie zu waschen einmal täglich mit einer guten Wildschweinborstenbürste kopfüber ausgebürstet, das hat das Sebum (Kopfhautfett) bis in die Spitzen verteilt, und auch die Haarwurzeln haben davon profitiert weil sie besser durchblutet und gestärkt wurden. Bei den aktuellen Ansprüchen an Frisur und Styling ist das heute leider nicht mehr wirklich vorstellbar.
Das Problem ist eben das wir mit jedem Waschvorgang unseren Haaren und der Kopfhaut Feuchtigkeit entziehen und sie austrocknen, je nach Tensid mehr oder weniger stark. Der großteil der anderen Stoffe in Shampoos und Spülungen, Kuren & Conditionern am Markt versuchen eigentlich nur das Kopfhautfett in der Wirkung zu ersetzen.
In der folgenden Aufstellung sind die gebräuchlichsten Tenside der Kosmetikindustrie zu finden, die Erklärung und Bewertung soll helfen bei der Shampooauswahl.
Allerdings, bevor jetzt jemand sein Shampoo auf die unten angeführten Tenside untersucht, und vielleicht auch ein scharfes Tensid findet.. nicht gleich entsorgen, wenn es schon lange ohne Probleme angewendet wird, dann kann man davon ausgehen das die eigene Kopfhaut es verträgt. Es kommt auch auf die weiteren Inhaltsstoffe des Shampoos und die verwendete Konzentration an. Aber egal wie man es dreht, ein milderes Shampoo, oder zumindest ein Wechsel zwischen mild und agressiv würde schon helfen Probleme zu vermeiden die vielleicht erst nach langer Zeit auftreten.
Wenn man von scharfen Tensiden zu milderen wechselt, stellt man oft ein schnelleres Nachfetten der Kopfhaut fest. Das kommt daher das die Kopfhaut sich an das starke entfetten der agressiven Tenside gewöhnt hat, und weiterhin auf hochtouren Talg produziert. Die Talgproduktion muss sich also erstmal über einen Zeitraum selbst nach unten regulieren. Diese Phase die auch mal ein paar Wochen dauern kann, ist mit Sicherheit nicht einfach, aber man sollte es mal ausprobieren, vor allem wenn man mit trockenen Haaren und sonstigen Kopfhautproblemen zu kämpfen hat. Oft ist es auch gleichzeitig eine Umstellung von Silikon zu silikonfrei, denn es gibt keine Naturkosmetikshampoos mit Silikonen drin (siehe Thema Silikone).
Bewertung: grün = sehr gut , hellgrün = ok, gelb = geht so , orange - problematisch
Sodium Lauryl Sulfat (SLS) - Scharfes Reinigungs- und Netzmittel, das in Garagenbodenreinigern, Maschinenentfettern und Produkten zur Autowäsche vorkommt. Sodium Lauryl Sulfat gilt unter Wissenschaftlern als häufiges Hautallergen. Es wird schnell von Augen, Gehirn, Herz und Leber absorbiert und dort angelagert, was zu Langzeitschäden führen kann. Allgemein kann Sodium Lauryl Sulfat Heilungsprozesse verzögern, bei Erwachsenen grauen Star verursachen und bei Kindern dazu führen, daß sich die Augen nicht richtig entwickeln. In der Apotheke erhältlich als Natriumlaurylsulfat.
Ammonium Lauryl Sulfat (ALS) -Scharfes Tensid auf Basis von Polyethylenglykol (PEG). Stark allergene Wirkung, sorgt oft für Kopfhautirritationen & starke Reizung der Schleimhäute. Genau wie SLS als nicht verträglich einzustufen.
Sodium Laureth Sulfate (SLeS) - ist die alkoholische (ethoxylierte) Form des Sodium Lauryl Sulfats. Es ist etwas weniger reizend als Sodium Lauryl Sulfat, kann aber ein stärkeres Austrocknen bewirken. Sowohl Sodium Lauryl Sulfat als auch Sodium Laureth Sulfat können in Shampoos und Reinigungsmitteln durch Reaktion mit anderen Inhaltsstoffen möglicherweise zur Bildung von krebserregenden Nitraten und Dioxinen beitragen. Schon durch eine einzige Shampoobehandlung können größere Nitratmengen in den Blutkreislauf gelangen.
MIPA-Laureth Sulfate - PEG basierendes Tensid auf der Basis von Fettalkoholen und Kokosfettsäuren, das zwar milder ist als die weiter oben genannten, kann aber leider immer noch zu aggressiv sein für empfindliche Kopfhaut.
Coco Glucoside - Tensid auf Basis von Kokosöl & Maisglucose, ist derzeit das verträglichste und mildeste Tensid am Markt, Reinigungswirkung in manchen Shampoomischungen vielleicht nicht ausreichend, Schaumbildung ist auch nicht so stark wie von anderen Tensiden gewohnt, sehr zu empfehlen bei empfindlicher und gestresster Kopfhaut, Haupteinsatzgebiete sind milde Naturkosmetikshampoos & Babyshampoos.
sonstige waschaktive Substanzen
Lavaerde/Wascherde - Lavaerde hat nichts mit Vulkangestein zu tun, sondern leitet sich von dem lateinischen Begriff lavare ( waschen ) her. Die arabische Bezeichnung ghassoul hat dieselbe deutsche Bedeutung. Bei Lavaerde handelt es sich um einen gemahlenen Ton, der sehr mineralienreich ist. Die Hauptbestandteile sind Silicium und Magnesium , ferner besteht es aus Eisen , Calcium und Natrium . Traditionell verarbeitete Lavaerde wird an der Luft und an der Sonne getrocknet und anschließend gemahlen. Als Produkt der Naturkosmetik ist sie deshalb so geschätzt, weil sie Haut & Haare nach dem Waschen nicht austrocknen lässt und in der Regel nicht mit Konservierungsmittel oder Chemikalien versetzt ist. Wascherde ist z.b. von der Firma Tautropfen erhältlich.
Waschnüsse - die Früchte des Soapnut-Baumes. In Südindien und Nepal nutzt die Bevölkerung schon seit Jahrhunderten die Waschkraft des heimischen Naturproduktes. Und auch hierzulande wird die "Wundernuss" mittlerweile immer bekannter. Die Schalen der Waschnüsse enthalten in hoher Konzentration den oberflächenaktiven Wirkstoff Saponin, einen wichtigen Grundstoff für Seifen. Damit schützt sich die Pflanze selbst vor Schädlings- und Pilzbefall. Inder und Nepalesen nutzen die Nuss seit Jahrhunderten zum Wäschewaschen sowie für die Körperpflege und kultivieren die Pflanze seit jeher. Der Sud der aufgekochten Schalen ist als Haarwaschmittel und Hautpflegeprodukt sehr wirksam. Sanoll bietet inzwischen auch ein tensidfreies Shampoo auf Basis dieser Waschnüsse an.